Pressetexte
DER POTSDAMER, 11. Februar 2009

„PUPPENHÄUSER IM FOKUS“
Entdeckungsreise in die Vergangenheit; Kunstprojekt in der Lindenstraße

- von Undine van Beek -

Schön ist es auf der Brandenburger Straße. Die Einkaufsmeile Potsdams zieht täglich viele Touristen und Einheimische an und lädt zum Bummeln und Shoppen ein. Alles schick und neu renoviert. Irgendwie wird diese schöne Welt durch noch zwei unrekonstruierte Häuser, gleich um die Ecke von Familie Grün, in der Lindenstraße 15 gestört. Doch seit einigen Wochen kann ein reges Kommen und Gehen beobachtet werden. Etwas zieht die Menschen mystisch an.

Ein Puppenhaus im Puppenhaus.
Durch ein mit gelb-weißer Tapete eingegrenztes Blickfeld im Schaufenster entdeckt man plötzlich ein Leben aus vergangenen Zeiten. Es werden Erinnerungen wach, die das Herz schneller schlagen lassen. In diesem einsamen Haus ist eine eigene kleine Welt entstanden und Leben eingekehrt. Eine Potsdamer Fotografin inszeniert dort seit Januar 2009 „Kleine Hausgeschichten“ - eine Ausstellung; Installation und Fotografie mit und um Puppenhäuser. Der Charme des Hauses beruht nicht nur auf der besonderen Art und Weise der Präsentation von Puppenhaus-Fotografien. Der original erhalten Bau, die Tapeten an den Wänden – die noch aus DDR-Zeiten stammen – und der wohltuende Geruch der Kohleheizung geben dem Ganzen eine eigene Identität.

In alten Fotorahmen präsentiert Kathrin Ollroge ihre Puppenhauskunst. Sie inszeniert in Puppenhäusern unterschiedliche Szenen, die anschließend im Großbildformat als Fotografien ausgestellt werden und käuflich zu erwerben sind. Nicht selten zweifelt man, ob es sich wirklich um Miniaturdarstellungen handelt oder Szenen aus der realen – großen – Welt sind. Am besten lassen sich die Fotografien betrachten, indem man sich auf das gemütliche rote Fransensofa setzt, oder die Bilder von der gegenüberliegenden Seite, von einer kultigen braunen Dederon-Sitzkombination aus bewundert.

Besucher bringen ihre alten Puppenhäuser um sie fotografieren zu lassen, erzählen oft wunderbare Geschichten davon und sind begeistert von der liebevollen und detailreichen Einrichtung der Räume. Wer einmal den Weg in die andere kleine Welt gefunden hat, möchte sie gar nicht mehr verlassen. Inzwischen ist die Lindenstraße 15 ein geselliger Treffpunkt für alt und jung geworden. Am runden Tisch, mitten im Raum, wird erzählt, diskutiert, gelacht, Kaffee und Wein getrunken , oder eine Runde gestrickt.

Dank der Initiative von Thamm & Partner GmbH, die diese Räume für das Projekt gesponsert haben, hat Kathrin Ollroge mit ihrer Idee und der Realisierung eine Welt kreiert, die mehr als dankbar angenommen wird. Ein individuelles Kunstprojekt, das inspiriert, aktiviert und einen wunderbaren sozialen Charakter hat. Eine Entdeckungsreise in die Vergangenheit, wobei der Fokus nicht nur auf Puppenhäuser gerichtet ist.

Undine van Beek
VANBEEK PR & DESIGN


POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN, 9. Februar 2009

„KLEINE HAUSGESCHICHTEN“
Fotografien von Kathrin Ollroge im „Wohnzimmer“ der Lindenstraße 15

- von Astrid Priebs-Tröger -

Kathrin Ollroge hat gerade eine fiebrige Erkältung. Und öffnet dennoch jeden Tag die Tür zu ihrem „Wohnzimmer“. Das befindet sich seit Anfang Januar in der Lindenstrße 15. Einem ehemaligen stadtbekannten Schreibwarenladen, der bereits im Herbst des vergangenen Jahres eine kulturelle Zwischennutzung durch das „Lokalize Heimatfestival“ erfuhr.
Jetzt hat sich die Potsdamer Fotografin dort für einige Wochen eingemietet und den Laden diesmal in ein Wohnzimmer verwandelt. Samtbezogene rote und braune Sofas, das Vitrinenoberteil von einem alten Wohnzimmerbüffet und mehrere Puppenhäuser befinden sich im vorderen großen Raum.

Zentral steht ein dreistöckiges Prachtstück, das vor ein paar Tagen als Leihgabe für ihre Fotoausstellung von einer Stahnsdorfer Familie zur Verfügung gestellt wurde. „Käte Smolka, erbaut 1934“, steht an dessen, mit einer funktionstüchtigen Klingel versehenen, Eingangstür. Der Vater von Käte soll es gebaut haben und der Besucher staunt über den Einfallsreichtum und die Detailtreue des beseelten Bastlers. Das Holzhaus verfügt über mehrere Treppenaufgänge, eine Dachterrasse und fünf Zimmer, die liebe- und geschmackvoll eingerichtet wurden. Im Wohnzimmer gibt es einen offenen Kamin, ein beleuchtetes Aquarium, in der geräumigen Wohnküche eine flackernde Feuerstelle und selbst an die hygienischen Standards ist mit 2 Toiletten gedacht worden.

Kathrin Ollroge ist fasziniert von solchen Zeugnissen der Alltagskultur. Im April des vergangenen Jahres sah sie im Glindower Heimatmuseum eine Ausstellung über „Puppen und Puppenhäuser“. Spontan begann sie diese zu fotografieren. Jedoch nicht eins zu eins. Die Fotografin, die 1969 in Potsdam geboren wurde und fast 12 Jahre in England lebte, inszeniert die Räume für ihre Zwecke neu. Wichtig ist ihr nicht, alle Details zu erfassen, sondern bestimmte Alltagsgegenstände ins rechte Licht zu rücken. Das können besondere Tapetenmuster, Lampen oder die Maserungen des Fußbodens sein. Oder einzelne der Miniaturmöbelstücke, die verschiedenen Stilen und Zeitepochen zugehörig, an unser kollektives Alltagsgedächtnis rühren.

So entstehen auf ihren großformatigen Farbfotos fiktive Räume, die sich nicht eindeutig als Puppen- oder „normale“ Wohnzimmer zuordnen lassen. Sondern vor allem schon bald die eigenen Erinnerungsräume zum Schwingen bringen. Denn man kommt schnell ins Gespräch mit der sympathischen Gastgeberin, die inzwischen schon mehr als zwanzig verschiedene Puppenhäuser und ihr ihr umfangreiches Interieur von Besuchern aus Potsdam und der näheren Umgebung vorbeigebracht bekommen hat. Da gibt es an der Bauhausästhetik orientierte Modelle aus den 30er Jahren oder auch eines aus der DDR vom Typ „Diana“, das an die damals beliebten finnischen Ferienhäuser erinnert.

Kathrin Ollroge wird sie alle in Szene setzen. Doch mindestens ebenso wichtig ist ihr die Kommunikation mit den Besuchern. Denn die kommen und staunen, trinken Kaffee oder haben den „Wohnladen“ inzwischen als Oase im hektischen Alltagsbetrieb entdeckt.
Eine benachbarteÄrztin kommt zwischen den Hausbesuchen immer mal für ein paar Minuten zum Stricken vorbei, an den Sonntagen finden lange Frühstücksgespräche und an einzelnen Wochentagen gestaltete Abende befreundeter Künstler statt. Dafür gibt es jedoch keinen festen Plan, sondern man kann jeden Tag, auch am Wochenende bei der gastfreundlichen Fotografin vorbei schauen und wird auch trotz Erkältung nicht abgewiesen.

Astrid Priebs-Tröger

 
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